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OSAM-SCHULUNGEN

Die Herausforderungen des Arbeitsmarktes

Interview mit Christine Fuentes

Können Sie uns etwas über Ihren persönlichen Werdegang erzählen und darüber, was Sie dazu motiviert hat, im Bereich Personalwesen und Karrieremanagement tätig zu werden?

Mein Werdegang ist alles andere als geradlinig, da ich meine berufliche Laufbahn als Verkaufsberaterin in einer Drogerie in Lyon begonnen habe.
Durch diese Erfahrung konnte ich folgende Kompetenzen entwickeln: Verkaufstechniken, Zuhören und zwischenmenschliche Fähigkeiten, Sorgfalt und Liebe zum Detail.
Nach vier Jahren in dieser Position wollte ich eine Stelle mit administrativer Ausrichtung, die aber weiterhin zwischenmenschliche Kontakte und den Umgang mit Menschen beinhaltet und besser mit meinem Privatleben vereinbar ist. Deshalb habe ich eine berufliche Umschulung begonnen und einen dualen Bachelor-Studiengang im Bereich Personalwesen absolviert, während ich als Personalvermittlerin in einer Zeitarbeitsagentur tätig war.

So entdeckte ich die Welt der Personalvermittlung und die verschiedenen Techniken, um die idealen Kandidaten zu finden, die den Bedürfnissen der Kunden entsprechen.
Durch diese Tätigkeit wurde mir bewusst, wie groß die Kluft zwischen den Vorstellungen der Bewerber und den tatsächlichen Erwartungen der Personalvermittler bei der Stellensuche ist.
Noch bevor ich meinen Abschluss gemacht hatte, wurde ich mit einem befristeten Vertrag bei einem multinationalen Unternehmen aus dem Pharma- und Chemiesektor als Personalverwaltungsleiterin eingestellt, wo ich für 1700 Mitarbeiter zuständig war. Ich war für alle administrativen Aufgaben im Zusammenhang mit dem Arbeitsleben der Mitarbeiter zuständig (Arbeitsverträge, Bescheinigungen usw.) und hatte außerdem die Aufgabe, ihre Fragen zu ihrer vollsten Zufriedenheit zu beantworten.

Ich habe den angebotenen unbefristeten Arbeitsvertrag abgelehnt, um das Abenteuer in der Schweiz zu wagen, mit dem Ziel, eine neue Arbeitskultur zu entdecken, in der Anerkennung und Weiterentwicklung real sind, und um mein Einkommen erheblich zu steigern, um persönliche Projekte zu verwirklichen.
Mit meinem französischen HR-Hintergrund und all den Hindernissen, die mein Profil mit sich brachte, erlebte ich trotz meiner intensiven Recherchen, um die Besonderheiten dieses Landes besser zu verstehen, zahlreiche Ablehnungen und stieß auf viel Unverständnis.

Nach sechs Monaten intensiver Suche bekomme ich eine Stelle als Personalreferentin in einem Genfer KMU, die Personalverwaltung und Personalbeschaffung vereint: die perfekte Stelle für mich!
Ich habe eine starke Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit entwickelt, um mich gut in das Team zu integrieren.
Nach fast vier Jahren in dieser Position unterbreche ich meine berufliche Laufbahn, um mich persönlichen Projekten zu widmen, und ziehe im folgenden Jahr nach Spanien. Diese Auszeit dauert ebenfalls vier Jahre, und ich beschließe, mich als Jobcoach für die Schweiz selbstständig zu machen. 

Ich habe mich für die Beratung und Begleitung entschieden, damit die Bewerber alle Trümpfe in der Hand haben, um ihre Einstellung zu erleichtern, dank eines Verständnisses der Erwartungen der Personalvermittler und der richtigen Techniken für die Stellensuche.
Mir liegt es am Herzen, dass die Arbeitssuche für die Bewerber keine unangenehme und leidvolle Zeit mehr ist.
Ich bin überzeugt, dass man seine Jobsuche gut bewältigen kann, wenn man gut gerüstet ist, begleitet und unterstützt wird, und dass man diese Lebensphase gelassen und zuversichtlich angehen kann.
Das ist die Mission, die mich zutiefst bewegt.


Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen, denen Fachkräfte heute bei der Gestaltung ihrer Karriere gegenüberstehen?

Ich denke dabei an drei große Herausforderungen.
Die Fachkräfte von heute suchen mehr denn je nach Sinn in ihrer Arbeit. Sie möchten sich geschätzt und wertgeschätzt fühlen und mit den Werten des Unternehmens im Einklang stehen. Ist dies nicht der Fall, zögern sie nicht, ihren Arbeitsplatz zu verlassen oder sich beruflich neu zu orientieren, um eine Karriere zu verfolgen, die ihren Vorstellungen besser entspricht. Diese Veränderungen führen zu vielfältigen, nicht linearen Werdegängen, die einem Personalverantwortlichen gegenüber nicht immer leicht zu erklären sind.

Die Entwicklung des Marktes und der Aufschwung neuer Technologien wie beispielsweise der KI haben ebenfalls direkte Auswirkungen auf die Karriere der Bewerber. Fachkräfte müssen daher Flexibilität und Anpassungsfähigkeit beweisen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Fähigkeit, sich neu zu erfinden, neue Kompetenzen zu erlernen und sich neuen Branchen zu öffnen ist von entscheidender Bedeutung, um mit den Anforderungen der Unternehmen Schritt zu halten und ihren Mehrwert zu steigern. 


Das Bedürfnis, sich von anderen abzuheben, ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. In einem relativ umkämpften Arbeitsmarkt (insbesondere in bestimmten Berufen) muss man sich von anderen unterscheiden, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Dies geschieht durch Personal Branding.  die darin besteht, über sich selbst, seine Werte, seine Persönlichkeit und seine Kompetenzen zu kommunizieren. Beim Personal Branding geht es nicht nur um Selbstvermarktung, sondern auch um Kohärenz und Glaubwürdigkeit. Die Präsenz in beruflichen Netzwerken wie LinkedIn spielt dabei eine wichtige Rolle, da sie es ermöglicht, ein professionelles Image online aufzubauen und zu teilen. 


Die Jobsuche wird oft als schwieriger Prozess empfunden. Was sind die wichtigsten Schritte, um diese Phase erfolgreich zu meistern?

Ja, für viele ist es ein echter Hindernislauf!
Meiner Meinung nach gibt es vier wichtige Schritte:
1) Gute Selbsterkenntnis und ein klar definiertes berufliches Projekt: Dieser erste Schritt wird oft vernachlässigt, bildet jedoch die Grundlage für eine erfolgreiche Stellensuche.
2) Leistungsstarke Marketinginstrumente: eine vollständige, qualitativ hochwertige Bewerbungsmappe, die das Potenzial des Bewerbers widerspiegelt, und ein attraktives, vorteilhaftes LinkedIn-Profil.
3) Eine durchdachte und diversifizierte Strategie: Maßnahmen, die auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet sind, die Nutzung aller Suchkanäle und der Aufbau eines qualifizierten Netzwerks.
4) Gute Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche: mögliche Fragen vorwegnehmen, sich über das Unternehmen informieren, sich wirkungsvoll präsentieren können, auf nonverbale Kommunikation achten ...

Und während des gesamten Prozesses positiv denken und seine Energie auf Handlungen konzentrieren, die man selbst kontrollieren kann.


Wie kann man ein starkes berufliches Netzwerk aufbauen und pflegen, das die langfristige Karriereentwicklung unterstützt?

Meiner Meinung nach geht es vor allem darum, sich zu trauen.
Sich trauen, mit anderen Fachleuten (Kollegen, Managern, Spezialisten, Beratern, Führungskräften usw.) in Kontakt zu treten und sich mit ihnen auszutauschen, indem man gesunde Neugierde zeigt.
LinkedIn ist dafür ein hervorragendes Instrument, denn es handelt sich um ein riesiges Verzeichnis von Fachleuten. Man kann mit jedem in Kontakt treten, man kann die beruflichen Werdegänge nachvollziehen, man kann leicht «Kontakte knüpfen»: Das ist eine echte Chance. Allerdings muss man dabei den richtigen Ansatz wählen, und genau daran mangelt es oft den Menschen, die ihr Netzwerk ausbauen möchten.
Es gibt eine ganze Reihe von Ängsten, die aufkommen, wenn man mit jemandem in Kontakt tritt, sei es virtuell oder real: Angst vor Ablehnung, Angst zu stören, Angst, opportunistisch zu wirken, Angst, nicht zu wissen, was man sagen soll...
Ich denke, solange man respektvoll, wohlwollend und auf den anderen ausgerichtet vorgeht, geht man kein Risiko ein.
Die Teilnahme an Fachveranstaltungen, Podiumsdiskussionen, Konferenzen und Messen in Ihrem Berufsfeld ist ebenfalls eine hervorragende Möglichkeit, ein hochwertiges Netzwerk aufzubauen, auf das Sie sich stützen können.

Sobald die Beziehung aufgebaut ist, muss sie langfristig gepflegt werden. Dazu gehören regelmäßiger Austausch, um sich über Neuigkeiten zu informieren, Weitergabe von Informationen, die für den Gesprächspartner interessant sein könnten (Artikel, Veranstaltungen usw.), Danksagungen usw.
Geben, bevor man nimmt, ist einer der Schlüssel zum Networking. 

Welchen Rat würden Sie Personen geben, die sich nach mehreren Jahren Erfahrung in einer anderen Branche neu orientieren oder in einen anderen Bereich wechseln möchten?

Dieser Wechsel ist nicht immer einfach, oft mangels Vorausschau und Vorbereitung.

Der erste Schritt wäre, sich zu informieren und den neuen Sektor zu verstehen:
– Durch das Lesen von Artikeln und Büchern, durch Verfolgen der aktuellen Nachrichten in den Medien (Presse, Newsletter, soziale Netzwerke, Fernsehen usw.) und durch die Teilnahme an Veranstaltungen, die diesem Bereich gewidmet sind.
– Durch Begegnungen und den Aufbau eines Netzwerks in diesem speziellen Bereich, um möglichst viele Informationen aus der Praxis zu sammeln.

Der zweite Schritt wäre, eine Bestandsaufnahme zu machen, um Klarheit über das eigene Profil zu gewinnen, und sich folgende Frage zu stellen: «Was fehlt mir heute in Bezug auf Kompetenzen, Kenntnisse, Ausbildung und Verständnis, um die Stelle zu bekleiden, die ich in diesem neuen Sektor anstrebe?».

Der dritte Schritt wäre die Festlegung der Strategie zur Erreichung des Ziels:
– Durch Schulungen zu den im neuen Sektor erwarteten und erforderlichen Kompetenzen
– Indem man sich bei seiner neuen Zielgruppe sichtbar macht (Fachleute des neuen Sektors oder auf diesen Sektor spezialisierte Personalvermittler)
– Indem Sie einen Beitrag zum Zielbereich leisten, um einen Mehrwert zu schaffen und als Mitglied der Gruppe anerkannt zu werden (Erstellen von relevanten Inhalten, Verfassen von Blogbeiträgen über den Bereich, ehrenamtliche Tätigkeiten, Praktika usw.).
– Indem man auf seine Stärken setzt und vermeidet, seine «Schwächen» auszugleichen, indem man sich die Frage stellt: »Was kann ich als differenzierende Stärke hervorheben, um meinen Mangel an Erfahrung auszugleichen?»
– Durch die Entwicklung neuer Kompetenzen, die ihre Beschäftigungsfähigkeit verbessern: KI, Digitaltechnik, Sprachen, Kommunikation usw.


Welche Kompetenzen sind Ihrer Meinung nach unerlässlich, um innerhalb eines Unternehmens oder einer Organisation die Karriereleiter zu erklimmen?

Ich denke dabei vor allem an soziale Kompetenzen wie emotionale Intelligenz, Kommunikationsfähigkeit und Führungsqualitäten. Das ist für mich die Grundlage für gutes Management.
Ein guter Manager ist in erster Linie eine Führungspersönlichkeit, die Menschen zusammenbringen und vereinen kann.. Es geht nicht nur darum, Anweisungen zu geben, sondern auch darum, zuzuhören, die Bedürfnisse anderer zu verstehen und Entscheidungen zu treffen, die der gesamten Gruppe zugute kommen. 
Proaktivität ist ebenfalls eine wichtige Kompetenz, um sich schnell weiterzuentwickeln. Sie spiegelt die Fähigkeit einer Person wider, Herausforderungen zu antizipieren, Initiativen zu ergreifen und Lösungen vorzuschlagen, noch bevor Probleme auftreten. In einem zunehmend dynamischen beruflichen Umfeld ermöglicht es Proaktivität, sich als engagierter Akteur zu positionieren, der aktiv zur Entwicklung des Unternehmens beitragen kann, anstatt nur auf Umstände zu reagieren.  Eine proaktive Person ist bereit, zusätzliche Verantwortung zu übernehmen, Bedürfnisse zu antizipieren und sich an sich ständig verändernde Umgebungen anzupassen. 

Wie können Fachkräfte in einem sich ständig wandelnden Arbeitsumfeld auf dem Arbeitsmarkt relevant und wettbewerbsfähig bleiben?

À Meiner Meinung nach ist kontinuierliches Lernen dafür unerlässlich. Durch Fortbildungen kann man seine fachlichen und sozialen Kompetenzen weiterentwickeln und ein attraktives Profil aufrechterhalten, während man sich gleichzeitig intellektuell weiterbildet.
Es ist auch wichtig, offen für den Markt zu bleiben und sein Fachgebiet und seine Branche passiv zu beobachten, um die anstehenden Herausforderungen zu verstehen und sich bestmöglich darauf vorbereiten zu können.
Networking ist auch ein wirksames Mittel, um über Markttrends auf dem Laufenden zu bleiben, Ideen auszutauschen und neue Chancen zu erschließen. Insbesondere in der Schweiz, wo der Arbeitsmarkt oft auf Empfehlungen basiert, ist ein gut ausgebautes Netzwerk ein strategischer Vorteil.  

Welche Rolle spielt die Weiterbildung für den langfristigen Erfolg einer Karriere und wie kann man Fachkräfte dazu motivieren, sich diesem Prozess zu widmen?

Die Schulung ermöglicht es, neue Kompetenzen zu entwickeln oder bestehende zu vertiefen.
Dies ist ein wirksames Mittel, um sicherzustellen, dass man auf dem Arbeitsmarkt stets attraktiv bleibt. Das bedeutet, dass es einfacher ist, den Arbeitsplatz zu wechseln, sich weiterzuentwickeln und den Karriereweg zu ändern.
Eine Ausbildung legitimiert das berufliche Projekt und vermittelt dem Arbeitgeber ein starkes Signal der Motivation. Sie ist auch ein Mittel, um höhere Gehälter zu fordern.

Ich denke, dass Fachleute für die Vorteile einer kontinuierlichen Weiterbildung sensibilisiert werden müssen, sowohl in beruflicher als auch in persönlicher Hinsicht. Es ist immer anregend, neue Dinge zu lernen, es ist eine Gelegenheit, sich selbst herauszufordern, sich persönlich weiterzuentwickeln, und jede neu erworbene Kompetenz ist eine zusätzliche Ressource, um zu wachsen und das Selbstvertrauen zu stärken.

 

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