Céline Mercader Cools
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OSAM-SCHULUNGEN

Berufliche Umschulung: Wo soll ich anfangen?

Interview mit Céline Mercader Cools

1. Können Sie sich zunächst einmal vorstellen und uns erklären, was Sie dazu bewogen hat, sich auf berufliche Umschulung und berufliche Übergänge zu spezialisieren?

Mein Name ist Céline Mercader Cools, ich bin Arbeitspsychologin, zertifizierte Coach und Ausbilderin. Seit über 20 Jahren begleite ich Menschen bei beruflichen Veränderungen und habe in all diesen Jahren eine explosionsartige Zunahme von Erschöpfungszuständen und Burn-outs beobachtet, die auf Unstimmigkeiten zwischen den Menschen und ihrer Arbeit zurückzuführen sind. Seitdem bin ich von der Überzeugung beseelt, dass Arbeit kein Ort des Leidens sein sollte, und habe es mir zur Aufgabe gemacht, meinen Kunden zu mehr Erfüllung zu verhelfen, indem ich ihnen dabei helfe, ein berufliches Projekt zu finden, das besser zu ihren Werten, Stärken und Zielen passt und ihnen gleichzeitig ein ausgeglicheneres Leben ermöglicht.

 

2. Was sind Ihrer Meinung nach die größten emotionalen oder psychologischen Hindernisse für Menschen, die sich beruflich neu orientieren möchten, und wie lassen sich diese überwinden?

Die größten Hindernisse, die ich bei meinen Kunden beobachte, hängen in erster Linie mit der Angst vor dem Verlust der finanziellen Stabilität zusammen, aber auch mit dem Gefühl der Ungewissheit, nicht zu wissen, welchen Beruf man anstreben soll, was in einer Übergangsphase ganz normal ist, aber jeden Versuch, aktiv zu werden, lähmen kann. Außerdem kommt es zu einem verminderten Selbstwertgefühl, das sich auf die Fähigkeit auswirkt, sich selbst wertzuschätzen und sich seiner Kompetenzen bewusst zu werden, und manchmal zu einer depressiven Verstimmung, die eine Zukunftsplanung verhindert. Jede Situation ist einzigartig und muss individuell behandelt werden, wobei natürlich eine therapeutische Begleitung im Vorfeld oder parallel dazu unerlässlich sein kann.

 

3. Wie kann man seine Stärken und Leidenschaften erkennen, um eine sinnvolle und nachhaltige berufliche Neuorientierung zu wählen?

Diese Identifizierung muss durch eine introspektive Selbstbefragung erfolgen, die uns zunächst dazu einlädt, aus dem beruflichen Umfeld herauszutreten, um Abstand zu gewinnen und zu beobachten, was uns in unserem Leben insgesamt antreibt und begeistert. Anschließend geht es darum, mit dieser neuen Sichtweise auf sich selbst in den beruflichen Bereich zurückzukehren, um die richtige Übereinstimmung zu finden. Aber Vorsicht: Eine Leidenschaft allein kann nicht automatisch ein berufliches Projekt darstellen, sie muss mit anderen Überlegungen wie beispielsweise Werten oder auch externen und internen Zwängen der Person und der Realität des Arbeitsmarktes abgeglichen werden.

 

4. Welche Rolle spielen Schulungen und Weiterbildung für eine erfolgreiche Umschulung?

Das hängt ganz vom Umfang der Umschulung ab. Für eine berufliche Neupositionierung oder Job-Crafting ist keine Ausbildung erforderlich. Bei einer Teilumschulung können wir auf die übertragbaren Kompetenzen der Person zurückgreifen und diese durch kurze Schulungen ergänzen. Bei einer vollständigen Umschulung hingegen ist eine Ausbildung fast immer unerlässlich und kann in diesem Fall von kurzer Dauer sein oder mehrere Jahre dauern.

 

5. Wie lässt sich Selbstmitgefühl mit den Anforderungen vereinbaren, um auf dem Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben?

Der Erfolg einer beruflichen Umorientierung hängt auch von den inneren Ressourcen der Person ab, von ihrer Fähigkeit, sich zu mobilisieren und ihre berufliche Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen. Wir verfügen nicht alle über das gleiche Energiekapital, und sich mit anderen zu vergleichen, kann nur zu Stress und Entmutigung führen. Ideal ist es, wenn man seine berufliche Eignung während seiner gesamten Karriere beobachten kann, um regelmäßig kleine Anpassungen vorzunehmen, anstatt einmal im Leben eine radikale Neuorientierung vorzunehmen. In diesem Sinne ist die Weiterbildung ein Mittel, um seine Kompetenzen sanft weiterzuentwickeln und auszurichten.

 

6. Welche praktischen Ratschläge würden Sie jemandem geben, der noch zögert, sich beruflich neu zu orientieren?

Sprechen Sie mit anderen darüber! Bleiben Sie mit Ihren Fragen nicht allein, treffen Sie Menschen, die in einem Bereich arbeiten, der Sie interessiert, um sich damit vertraut zu machen, recherchieren Sie, seien Sie aktiv! Über eine Umschulung nachzudenken bedeutet nicht unbedingt, dass Sie Ihr Leben komplett ändern müssen. Manchmal reicht es schon, sich selbst zu reflektieren, um kleine Unzufriedenheiten zu erkennen, die, sobald sie behoben sind, Ihnen wieder die Motivation des ersten Tages zurückgeben. Und wenn das Unwohlsein zu tief sitzt, stellen Sie sich folgende Frage: Wenn Sie den Sprung wagen würden und alles gut laufen würde, hätten Sie es dann nicht schon früher getan?

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