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OSAM-SCHULUNGEN

Von international zu menschlich: eine Vision des Managements quer durch die Kulturen

Interview mit Sophyline Phay

Ihre berufliche Laufbahn erstreckt sich über mehrere Länder und Kulturen. Inwiefern bereichert diese internationale Erfahrung Ihre Sichtweise auf Management und Kommunikation?

Alles begann in Frankreich, in einem strukturierten, klaren Umfeld. Dann brachte mir die Schweiz Disziplin und einen anderen Rhythmus. In Polynesien wurden meine Bezugspunkte durcheinandergebracht. Ich musste langsamer werden, beobachten, anders zuhören. In Afrika habe ich bei NGOs, die vor Ort tätig sind, eine andere Art des Engagements entdeckt, die stärker verwurzelt und kollektiver ist. Und in Asien habe ich im Rahmen eines Freiwilligeneinsatzes verstanden, dass Solidarität nicht verordnet werden kann. Sie entsteht, indem man den tatsächlichen Bedürfnissen zuhört und demütig ist.

Dieser Weg war keineswegs geradlinig. Er hat sich im Laufe meiner Erfahrungen, Begegnungen und Anpassungen entwickelt. An jedem Ort musste ich eine neue Sprache lernen – nicht unbedingt eine Sprache im sprachlichen Sinne, sondern eine kulturelle, zwischenmenschliche, menschliche Sprache. Ich habe gelernt, zu verstehen, ohne immer alles zu beherrschen, einzugreifen, ohne mich aufzudrängen, mich nützlich zu machen, ohne den ganzen Raum einzunehmen.

Heute sehe ich mich nicht als «Managerin» im klassischen Sinne. Ich fördere den Austausch. Ich schaffe Räume, in denen jeder einen Beitrag leisten, sich Gehör verschaffen und seinen Platz einnehmen kann. Das Kollektiv ist für mich ein fortwährender, niemals statischer Prozess.

Oft werden “Soft Skills” als Zusatzkompetenzen betrachtet. Für mich sind sie jedoch grundlegend. Zuhören, Umformulieren, Anpassen, Geduld: Diese Kompetenzen machen eine Zusammenarbeit wirklich lebendig. Und nachhaltig.

In diesem Leben voller Veränderungen habe ich schnell verstanden, dass vertikale Führung nicht funktioniert. Man setzt sich nicht durch, sondern schleicht sich langsam ein. Man lernt, den Rhythmus zu spüren, bevor man handelt. Ich habe entdeckt, dass echte, dauerhafte Führung von vielen Händen gemeinsam gestaltet wird. Ich bin keine Teamleiterin. Ich bin eine Vermittlerin von Sinn, eine Weberin von Verbindungen, ein Bindeglied zwischen den Welten.

Können Sie uns aus Ihrer beruflichen Praxis eine konkrete Situation schildern, in der Soft Skills den Ausschlag gegeben haben?

Ein anderer Tag, eine andere Szene: ein Klassenzimmer mit 12 Bachelor-Studenten im ersten Jahr, die im dualen Studium sind. Eine Woche Unterricht, drei Wochen im Unternehmen. Diese Art von Rhythmus ist anstrengend, fragmentiert und erschwert es, eine Verbindung aufzubauen. Ich hatte das Gefühl, dass sie sich nicht kannten. Sie saßen etwas steif, zurückhaltend und schüchtern da. Ihre Blicke waren ausweichend. Niemand wagte es wirklich, sich zu Wort zu melden. Als ich anschließend Fragen stellte, stellte ich fest, dass es ihre erste Unterrichtswoche war.

Also habe ich dieses Eis gebrochen. Nicht mit Inhalten, nicht mit Folien. Sondern mit Spiel, Menschlichkeit, Bewegung. Eisbrecher, Energizer, Gruppenübungen... Die Idee war nicht nur, sich kennenzulernen. Es ging darum, sich wirklich zu sehen. Mauern einzureißen, sich zu trauen, die Stimme zu erheben, Augenkontakt herzustellen, zu lächeln.

Dann haben wir an der Wortmeldung gearbeitet. Ganz sanft. Kein großer Sprung direkt in die Arena. Kleine Schritte, Gespräche zu zweit, spontane Wortmeldungen. In ihrem Tempo. Und dann, am Ende der Woche, habe ich ihnen eine etwas verrückte Herausforderung gestellt: einen kurzen Stand-up-Auftritt von 3 Minuten zu einem Thema ihrer Wahl. Vor ihren Mitschülern. Und wenn sie wollten, auch vor dem Lehrerteam.

Wissen Sie was? Alle haben Ja gesagt, sogar die Schüchternsten. Alle. Sie haben mitgemacht, manche mit Lampenfieber, andere mit Humor, alle mit Aufrichtigkeit. Es war nicht perfekt, nein. Aber es war lebendig, berührend, echt. Und heute schreiben sie mir immer noch. Um mir zu danken. Nicht für eine Unterrichtsstunde. Sondern dafür, dass ich einen Raum geschaffen habe. Eine Gruppe. Einen Kokon, in dem man sich traut. In dem man auch lernt, über sich selbst zu sprechen, sich zu behaupten. Gemeinsam.

Denn manchmal ist die eigentliche Kompetenz, die man weitergibt, keine Technik. Es ist eine Erlaubnis. Sich auszudrücken. Sich zu verbinden. Seinen Platz einzunehmen. Und das... das bleibt.

Welche zwei oder drei sozialen Kompetenzen sind Ihrer Erfahrung nach heute in Unternehmen am meisten gefragt?

In der Praxis bleibt eines immer gleich: das Streben nach authentischen, reibungslosen und leistungsstarken Beziehungen. In der aktuellen Landschaft zeichnen sich vier Eigenschaften als besonders gefragt aus:

  • Beziehungsfähigkeit : in der Lage sein, je nach Gesprächspartner und Situation von einem kooperativen Ansatz zu einem eher direktiven Ansatz überzugehen.
  • Aktives Zuhören : die wahren Bedürfnisse hinter den Worten, Andeutungen und Fassaden erkennen.
  • Selbstbewusste Kommunikation : sich klar ausdrücken und gleichzeitig den anderen respektieren – ein starker Hebel in hybriden und multikulturellen Umgebungen.
  • Resilienz : sein Engagement und seine konstruktive Haltung trotz Spannungen, Rückschlägen oder Unsicherheiten aufrechtzuerhalten. Es handelt sich um eine Art innere Stärke, die Vertrauen weckt und andere mitreißt.

In einer sich ständig verändernden Berufswelt werden diese zwischenmenschlichen Fähigkeiten zu einer wesentlichen Grundlage. Sie sind nicht nur eine Frage der Kompetenzen, sondern auch entscheidend.

Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Wie sehen Sie die Zukunft der Management- und Kommunikationskompetenzen in einem zunehmend digitalisierten Umfeld?

Heute verändert sich alles. Bildschirme sind überall. Teams arbeiten über Zeitzonen hinweg, der Austausch erfolgt manchmal asynchron, manchmal rasend schnell. Aber das Herzstück des Berufs bleibt menschlich.

Die eigentliche Herausforderung besteht darin, über digitale Medien Verbindungen herzustellen. Eine Kultur und einen Teamgeist zu vermitteln, ohne physisch vor Ort zu sein. Aus der Ferne zu motivieren, zu begeistern und mitzureißen.

Inhalte erstellen, Communities verwalten, ja. Aber vor allem: authentisch sein. Denn je mehr Formate es gibt, desto seltener wird Aufrichtigkeit. Und desto wertvoller.

Die Digitalisierung ersetzt Soft Skills nicht. Sie bringt sie zum Vorschein. Sie rückt sie ins Rampenlicht. Sie macht sie unverzichtbar.

Welchen Rat würden Sie unseren Lernenden bei OSAM Formations geben, um ihre Kommunikations- und Managementfähigkeiten effektiv zu entwickeln?

An Sie, die Studierenden von OSAM Formations, möchte ich sagen: Seien Sie neugierig. Lesen Sie, entdecken Sie Neues, experimentieren Sie. Trauen Sie sich, Unbekanntes zu wagen. Beteiligen Sie sich an Gemeinschaftsprojekten, verlassen Sie den akademischen Rahmen und begegnen Sie der Realität.

Zeigen Sie auch Resilienz: Akzeptieren Sie Umwege, Misserfolge und Infragestellungen. Sie schärfen Ihr Urteilsvermögen und stärken Ihre Haltung.

Pflegen Sie schließlich die Qualität Ihrer Beziehungen. Zuhören, Klarheit und Authentizität sind Ihre größten Stärken. Es ist Ihre Art, mit anderen in Kontakt zu treten, die Ihren beruflichen Einfluss prägt. Investieren Sie also in Menschen. Denn dort beginnt alles.

Behalten Sie Ihre Ziele im Blick!

 

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