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In der Schweiz ohne Deutsch arbeiten – Mythos oder Realität?

In der Schweiz ohne Deutsch arbeiten – Mythos oder Realität?

Artikel verfasst von Elisa Bauer

Jedes Jahr stellen uns Dutzende von Studierenden dieselbe Frage, bevor sie ihr Glück auf dem Schweizer Arbeitsmarkt versuchen: «Muss ich unbedingt Deutsch sprechen, um eingestellt zu werden?» Die kurze Antwort lautet: Nein. Die ehrliche Antwort ist jedoch differenzierter: Es hängt ganz davon ab, wo Sie sich bewerben, in welcher Branche und vor allem, wie weit Sie beruflich vorankommen möchten. Bei OSAM, wir begleiten jedes Jahr Hunderte von Fachkräften bei ihrer Eingliederung Linguistik und beruflich in der Schweiz. Das sind unsere tatsächlichen Beobachtungen vor Ort, fernab von gängigen Vorurteilen.

 

Eine Schweiz, vier Sprachen, viele Realitäten

Die Schweiz ist nicht der einheitliche deutschsprachige Block, als den man sie im Ausland oft wahrnimmt. Das Land hat vier Landessprachen, und deren Verteilung führt dazu, dass sich die Arbeitsmärkte von Region zu Region stark unterscheiden. Die Französisch wird in vier ausschließlich französischsprachigen Kantonen gesprochen – Genf, Waadt, Neuenburg und Jura –, während drei Kantone zweisprachig sind Deutsch-Französisch, nämlich Bern, Freiburg und das Wallis. Deutsch wird hingegen von fast zwei Dritteln der Bevölkerung gesprochen, vor allem im Norden, Osten und Zentrum des Landes. Rechnet man dazu noch das italienischsprachige Tessin und das rätoromanische Graubünden hinzu, wird klar, warum eine einzige allgemeine Antwort keinen Sinn ergibt: Die Frage lautet nicht «Soll man in der Schweiz Deutsch sprechen?», sondern «Soll man Deutsch sprechen? dort, wo ich arbeiten möchte ».

In der Westschweiz öffnen Französisch (und Englisch) (fast) alle Türen

Ob in Genf, Lausanne, Neuenburg oder im Jura – es ist durchaus möglich, eine solide Karriere aufzubauen, ohne auch nur ein Wort Deutsch zu sprechen. Genf beherbergt eines der weltweit größten Zentren internationaler Organisationen (UNO, WHO, IKRK), einen florierenden Banken- und Finanzsektor, die Luxusuhrenindustrie sowie eine leistungsstarke Pharmaindustrie rund um den Genfer See. In den meisten dieser Bereiche sind Französisch und Englisch reichen im Alltag völlig aus. Deutsch wird erst dann zu einem echten Vorteil, wenn es um Stellen geht, die einen regelmäßigen Austausch mit einer Zentrale in der Deutschschweiz, der Bundesverwaltung oder bestimmten kaufmännischen Funktionen auf nationaler Ebene erfordern.

Und auf der anderen Seite des Röstigrabens?

An dieser Stelle wird der Mythos etwas komplizierter. In Zürich oder Basel, den Hochburgen der Finanz-, Pharma- und Tech-Branche, kommunizieren viele multinationale Unternehmen intern überwiegend auf Englisch, sodass es durchaus möglich ist, dort eine Stelle ohne Deutschkenntnisse zu ergattern. Dabei spielen jedoch zwei Nuancen eine entscheidende Rolle. Erstens ist das im Alltag gesprochene Deutsch nicht das, was man in der Schule lernt: Es handelt sich um Schweizerdeutsch, eine Ansammlung von Dialekten, die sich stark vom Standarddeutsch unterscheiden, was selbst erfahrene Deutschsprachige aus informellen Gesprächen unter Kollegen ausschließen kann. Zweitens verlangen lokale KMU, die Verwaltung, das Gesundheitswesen oder der Handel – abgesehen von multinationalen Konzernen – fast ausnahmslos Deutsch, ja sogar den Dialekt. Ein weiteres aufschlussreiches Detail: Bei den Einwohnern des deutschsprachigen Raums wird Englisch heute häufiger als Französisch als Zweitsprache verwendet. Mit anderen Worten: Sich auf Ihr Französisch zu verlassen, um in Zürich Fuß zu fassen, ist ebenfalls keine erfolgreiche Strategie.

Das eigentliche Thema ist nicht die Einstellung, sondern die berufliche Entwicklung

Das ist der Punkt, den wir unseren Studierenden am häufigsten immer wieder betonen: Die Sprache ist in der Romandie selten ein Hindernis für die erste Anstellung, hat aber später erhebliche Auswirkungen. Zugang zu informellen Besprechungen, Verständnis für interne Zusammenhänge, Beförderungen, interne Mobilität zu einem deutschschweizerischen Hauptsitz, berufliches Netzwerk: Fast zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung nutzen im Alltag regelmäßig mehrere Sprachen – ein Beweis dafür, dass Mehrsprachigkeit in diesem Land keine Option, sondern ein beruflicher Standard ist. Einsprachig zu bleiben bedeutet, eine gläserne Decke zu akzeptieren, selbst wenn man problemlos eingestellt wurde.

Unser Expertenrat bei OSAM

Mit Sitz in Genf und eduQua-zertifiziert bilden wir jedes Jahr mehr als tausend Fachkräfte in der Westschweiz in sprachlichen und managementbezogenen Themen aus. Unsere Erkenntnis ist klar: Es geht niemals um die Frage «Soll man Deutsch lernen, ja oder nein?», sondern darum, ein realistisches Zielniveau festzulegen, das Ihrer Region, Ihrer Branche und Ihren Karriereplänen entspricht. Eine feste Anstellung in Genf im humanitären Bereich oder im Finanzwesen erfordert nicht dieselbe Sprachstrategie wie das Ziel, in fünf Jahren nach Zürich zu wechseln. Aus diesem Grund entwickeln wir maßgeschneiderte Sprachlernprogramme, die fest in Ihrem tatsächlichen Berufsalltag verankert sind, anstatt allgemeine Kurse anzubieten, die keinen Bezug zur Praxis haben.

Ein Mythos bei der ersten Anstellung in der Romandie, Realität, sobald es um berufliche Weiterentwicklung, interne Mobilität oder langfristige Integration in der Deutschschweiz geht. Die richtige Frage lautet daher nicht: «Muss ich Deutsch sprechen?», sondern: «Auf welchem Niveau, für welches Ziel und in welchem Zeitraum?»

Sie bereiten sich auf Ihre berufliche Laufbahn in der Schweiz vor und sind sich nicht sicher, welcher Sprache Sie den Vorrang geben sollen?
Wenden Sie sich an OSAM, um eine individuelle Sprachbewertung zu erhalten.

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